• Die 1963 gegründete Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung ist eine private Stiftung des bürgerlichen Rechts zur Förderung der Forschung und Ausbildung auf dem Gebiet der Naturwissenschaften.

  • Seminar im „WE-Heraeus-Hörsaal“ des Physikzentrums Bad Honnef. Die Reihe „WE-Heraeus-Seminare“ ist das Flaggschiff im Förderprogramm der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung.

  • Die Stiftung fördert Lehrerfortbildungen zur Teilchenphysik, Quantenphysik oder Astronomie, die z.B. am XLAB in Göttingen durchgeführt werden.

  • Schüler-Observatorium auf dem Dach eines Gymnasiums: An 6 identischen Teleskopen kann eine komplette Klasse Sterne und die Sonne beobachten. Ein Beitrag der Stiftung zum modernen Physikunterricht.

  • Die Stiftung initiiert und finanziert Buchproduktionen zur Verbreitung von Faktenwissen über gesellschaftlich bedeutende Themen (für SchülerInnen) sowie zur Ausbildung von LehrerInnen.

Dr. Wilhelm Heinrich Heraeus und Else Heraeus

Dr. Wilhelm Heinrich Heraeus wurde am 3. Februar 1900 als Sohn von Dr. Wilhelm Heraeus und Enkel des Gründers der W.C. Heraeus GmbH, Wilhelm Carl Heraeus, in Hanau geboren. Er studierte Physik, Mathematik und Physikalische Chemie in Bonn, Göttingen und München und promovierte 1923 in Frankfurt am Main über ein Thema aus dem Gebiet der Metallografie. Im gleichen Jahr heiratete er Else Müller. 

 

Nach zweijähriger Mitarbeit in der Edelmetallfirma seines Onkels in Newark/USA trat er 1925 in die W.C. Heraeus GmbH in Hanau ein, wo er sich zunächst mit der Entwicklung von Spinndüsen und Katalysatoren beschäftigte. Unter anderem gelang es ihm, ein maschinelles Verfahren zur Herstellung von Platinnetzen einzuführen. 1927 wurde Dr. Heraeus in die Geschäftsleitung der W.C. Heraeus GmbH berufen, wo er die Verantwortung für die technische Entwicklung übernahm. Sein besonderes Engagement galt der Entwicklung neuer Edelmetall-Legierungen für den Dentalbereich, neuer Platinprodukte für die Labortechnik und neuer Herstellungsverfahren für Quarzglas und Quarzgut.

 

Nach der weitgehenden Zerstörung der Werksanlagen im Zweiten Weltkrieg erwarb sich Dr. Heraeus große Verdienste um den Wiederaufbau des Unternehmens. Seine Hauptinteressen galten jetzt dem Edelmetallbereich und dem Bereich Quarzlampen. Besonderes Augenmerk widmete er der Heraeus-Quarzschmelze und der dort betriebenen Entwicklung von Quarzglas. 1965 wechselte er von der Geschäftsleitung in den Aufsichtsrat der W.C. Heraeus GmbH. Am 7. Januar 1985 starb Dr. Wilhelm Heinrich Heraeus im Alter von fast 85 Jahren.

 

Else Heraeus wurde am 3. Mai 1903 als Tochter des Hanauer Holzhändlers Carl Müller geboren. Sie engagierte sich stark im sozialen Bereich sowie im Tierschutz. Schon sehr früh erkannte sie die Bedeutung des Umweltschutzes und setzte sich für Heraeus-Seminare aus diesem Themenbereich ein. Sie starb am 25. November 1987.

 

Das kinderlos gebliebene Ehepaar Wilhelm und Else Heraeus hat sich in vielfältiger Weise sozial engagiert, so unter anderem beim Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Wallonisch-Niederländischen Kirche in Hanau. 1963 gründeten Wilhelm und Else Heraeus die "Dr. Wilhelm Heinrich und Else Heraeus-Stiftung", die zunächst der Unterstützung bedürftiger Kinder, dem Kindergartenneubau in Hanau und der Unterstützung des Regionalverbandes Hessen-Mittelrhein-Saar der Deutschen Physikalischen Gesellschaft gewidmet war.

 

1972 gab sich die Stiftung eine neue Verfassung mit dem alleinigen Stiftungszweck "Förderung der Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Naturwissenschaften". Es wurde ein aus drei Personen bestehender Stiftungsvorstand eingesetzt, darunter ein von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) zu bestimmendes Mitglied. Diese DPG-Vertretung nahm 21 Jahre lang Professor Dr. Werner Buckel (Karlsruhe) wahr, der auch – als damaliger DPG-Präsident – das Stifterehepaar bei der Neufassung der Satzung beraten hatte. 1984 verlieh die Deutsche Physikalische Gesellschaft Herrn Dr. Wilhelm Heinrich Heraeus die Ehrenmitgliedschaft und benannte einen Raum des Physikzentrums Bad Honnef nach ihm. 

 

Nach dem Tod von Dr. Wilhelm Heinrich Heraeus übernahm Prof. Dr. Dieter Röß das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Stiftung. Wilhelm Ernst Heraeus, ein Neffe von Dr. Wilhelm Heinrich Heraeus, trat 1987 die Nachfolge von Frau Else Heraeus an. 1993 löste Prof. Dr. Joachim Treusch Herrn Prof. Dr. Werner Buckel im Amt des von der DPG zu bestimmenden Vorstandsmitgliedes ab. 1999 wurde die Stiftung umbenannt in "Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung".

 

Nach 30 Jahren Mitarbeit im Vorstand, davon 27 Jahren als Vorstandsvorsitzender, beendete Prof. Dr. Dieter Röß 2012 diese Tätigkeit. Sein Nachfolger im Vorstand wurde Prof. Dr. Jürgen Mlynek. Zum neuen Vorstandsvorsitzenden wurde Prof. Dr. Joachim Treusch gewählt.